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Therapiegebiete

Hereditäres Angioödem (HAE)

Genetisch bedingte Erbkrankheit, die starke Schwellungen der Haut und Schleimhäute verursacht

Das hereditäre Angioödem ist eine Erbkrankheit, die durch einen Gendefekt ausgelöst wird. Sie führt zu plötzlichen, starken Schwellungen an der Haut und den Schleimhäuten. Diese können an verschiedenen Körperstellen auftreten. Auch innere Organe oder der Kehlkopf können betroffen sein. Besonders gefährlich wird es, wenn der Kehlkopf anschwillt, da dies lebensbedrohlich sein kann.

Hintergrund

Das hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene genetische Erkrankung, die weltweit schätzungsweise 1 von 10.000 bis 1 von 50.000 Menschen betrifft. In Deutschland gibt es etwa 1.600 diagnostizierte Betroffene. Typisch für HAE sind wiederkehrende Schwellungen (Ödeme) der Haut, der Atemwege und der inneren Organe. Besonders häufig treten diese Schwellungen an Händen, Füßen, im Gesicht und im Genitalbereich auf.

Der Begriff „hereditäres Angioödem“ klingt kompliziert, ist aber leicht zu erklären: „Hereditär“ bedeutet „erblich“ und „Ödem“ ist der medizinische Ausdruck für „Schwellung“. Ein Angioödem entsteht durch eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände. Die Abkürzung HAE stammt aus dem Englischen („hereditary angioedema“). 


Die Hautschwellungen sind nicht lebensgefährlich, können jedoch so schmerzhaft und auffällig sein, dass viele Betroffene während einer HAE-Attacke den sozialen Kontakt meiden.

Fast alle Betroffenen leiden zudem unter Anfällen mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, die durch Schwellungen der Darmwand ausgelöst werden. Besonders gefährlich sind Schwellungen im Rachen, an der Nase oder an der Zunge, da sie die Atemwege verengen und lebensbedrohlich werden können.

Obwohl es bisher keine Heilung für HAE gibt, können die Symptome bei einer Attacke effektiv behandelt oder verhindert werden. 

Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

Ursachen

Das Hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene genetische Erkrankung, die meistens von einem Elternteil vererbt wird. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist hierbei im Blut ein Protein (= Eiweiß) namens C1-Ester-ase-Inhibitor (C1-Inhibitor, kurz: C1-INH) entweder zu wenig vorhanden oder es funktioniert nicht richtig. Dies führt zu einer erhöhten Menge an aktivem Plasmakallikrein (ebenfalls ein Protein).

Aktives Plasmakallikrein fördert wiederum die Bildung eines Gewebshormons im Blut, das Bradykinin heißt. Bradykinin steuert die Durchlässigkeit der Gefäßwände im Körper. Aufgrund der erhöhten Menge an aktivem Plasmakallikrein wird zu viel Bradykinin gebildet, was in der Folge dazu führt, dass vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen austritt.  

HAE-Attacken sind schwer vorhersehbar und werden nicht durch allergische Reaktionen ausgelöst. Sie können überall am Körper auftreten:

  • Gesicht und Mundraum
  • Hals und Rachen
  • Magen-Darm-Trakt
  • Genitalien
  • Hände
  • Füße 

Bei der Erkrankung HAE gibt es zwei Hauptformen: 

  • Typ-1-HAE: Hier ist die Konzentration des C1-Inhibitors im Blut zu gering.
  • Typ-2-HAE: Der C1-Inhibitor ist zwar in ausreichender Menge vorhanden, funktioniert aber nicht richtig.

In seltenen Fällen können auch Fehler in anderen Genen zu HAE führen. Diese verursachen ebenfalls erhöhte Mengen des Hormons Bradykinin und dadurch Schwellungen (Ödeme), obwohl die Konzentration und Funktion des C1-Inhibitors normal sind.

Während einer HAE-Attacke kann der C1-Inhibitor die Freisetzung von Bradykinin nicht mehr ausreichend kontrollieren. Dadurch steigt der Bradykininspiegel im Blut, was die typischen Schwellungen auslöst.

HAE wird autosomal dominant vererbt. Das bedeutet: Wenn ein Elternteil HAE hat, besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Krankheit ebenfalls erbt. HAE kann jedoch auch bei Familien ohne bekannte Fälle auftreten. Etwa 25 Prozent der HAE-Diagnosen beruhen auf einer sogenannten Spontanmutation, bei der sich das Gen durch Zufall verändert. Betroffene können dieses veränderte Gen an ihre Kinder weitergeben. 

Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

Symptome

Typische Anzeichen von HAE 
HAE führt zu wiederkehrenden, starken Schwellungen (Ödemen) an verschiedenen Körperstellen. Diese können an der Haut (z. B. an Händen, Füßen, im Gesicht), im Magen-Darm-Trakt, im Mund, am Kehlkopf, an der Luftröhre, den Geschlechtsorganen oder in der Blase auftreten.

Hautschwellungen 
Hautschwellungen sind meist nicht gerötet, jucken nicht und fühlen sich nicht warm an, können jedoch sehr schmerzhaft sein. Besonders betroffen sind Hände, Füße, das Gesicht und der Genitalbereich. Die geschwollenen Körperteile erschweren häufig alltägliche Aufgaben, wie Gehen oder Greifen, und sind für die Betroffenen oft belastend.

Schwellungen im Magen-Darm-Trakt 
Wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist, äußert sich das durch starke Bauchschmerzen, Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Diese Symptome ähneln anderen Erkrankungen, was oft zu Fehldiagnosen führt. Manchmal beginnen Attacken mit plötzlichen Schmerzen, bevor die Schwellung sichtbar wird.

Gefährliche Schwellungen im Rachenbereich 
Besonders gefährlich sind Schwellungen an Kehlkopf, Zunge oder Rachen, da diese die Atemwege blockieren und Erstickungsgefahr besteht. In solchen Fällen muss sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Verlauf einer HAE-Attacke 
Die Schwellungen entwickeln sich meist über mehrere Stunden und erreichen nach 12 bis 36 Stunden ihren Höhepunkt. Ohne Behandlung klingen sie nach zwei bis fünf Tagen von selbst ab. Einige Attacken beginnen jedoch plötzlich, besonders im Bauchraum. Die Häufigkeit variiert stark: Manche Betroffene haben mehrere Attacken pro Woche, andere nur einmal im Jahr oder seltener. Es lässt sich nicht vorhersagen, wann und wo die nächste Attacke auftritt. 


Vorzeichen und Auslöser für HAE-Attacken 
Häufig treten HAE-Attacken ohne erkennbare Auslöser auf, oftmals werden sie aber durch emotionalen oder körperlichen Stress hervorgerufen. Von Betroffenen wurden zudem Angstzustände, Verletzungen, Operationen, Erkrankungen wie Erkältung oder Grippe, Insektenstiche und auch bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser für ihre Attacken angegeben.

Bei manchen Patent:innen treten nach Tätigkeiten wie längerem Schreiben, Hämmern, Sport und anderen körperlichen Betätigungen auch Schwellungen an den Händen auf.

  • Emotionaler Stress: Angstgefühl, Furcht, Freude, Ärger
  • Körperlicher Stress: Operationen, Infektionen, Insektenstiche, Überanstrengung, zahnärztliche Eingriffe, sonstige Verletzungen
  • Hormonelle Veränderungen (bei Frauen): Monatsblutung, Schwangerschaft Antibabypille, Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
  • Medikamente: vor allem Blutdrucksenker (z. B. ACE-Hemmer)

Vor einer Attacke fühlen einige Patient:innen ein Schwächegefühl, Schwindel, Müdigkeit, ein Kribbeln im Körper oder berichten von starken Stimmungsschwankungen. Ca. 30 % der Patient:innen haben auch einen nicht juckenden, girlandenförmigen, geröteten Hautausschlag (Fachbegriff: Erythema marginatum).

Besondere Hinweise für Frauen 
Hormonelle Veränderungen haben bei vielen Frauen Einfluss auf die Häufigkeit und Stärke der Attacken. Während einer Schwangerschaft können sich die Attacken entweder verstärken oder seltener auftreten. Die Antibabypille und Hormonersatztherapien stehen ebenfalls im Verdacht, Attacken auszulösen. Frauen sollten daher ihre Therapie mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.

Medikamente und HAE 
Bestimmte Medikamente wie ACE-Hemmer, die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, sind für Menschen mit HAE ungeeignet, da sie Attacken auslösen können. Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin alternative Behandlungsmöglichkeiten besprechen. 

Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

Die Diagnose ist einfach, aber es ist schwierig, die Krankheit zu erkennen. Da HAE selten und relativ unbekannt ist, wird es oft falsch diagnostiziert.

Schwierige Diagnose bei HAE 
Es ist nicht ungewöhnlich, dass es viele Jahre dauert, bis bei Betroffenen die Diagnose HAE gestellt wird. Das liegt daran, dass die Symptome denen anderer, häufigerer Erkrankungen ähneln, wie etwa Allergien oder einer Blinddarmentzündung. Besonders schwierig ist die Diagnose bei Menschen, die vor allem an Magen-Darm-Attacken leiden. In einigen Fällen führt eine Fehldiagnose sogar zu unnötigen Operationen. Viele Betroffene wissen zudem nichts von früheren HAE-Fällen in ihrer Familie, was die Diagnose zusätzlich erschwert.

Die Bedeutung der Familiengeschichte 
Wenn HAE neu diagnostiziert wird, sollten Betroffene ihre Familiengeschichte prüfen. So können weitere Familienmitglieder oder entfernte Verwandte, die ebenfalls betroffen sind, identifiziert werden. HAE kann in jedem Alter auftreten, aber die meisten Betroffenen erleben ihre erste Attacke vor dem 20. Lebensjahr. 


Abgrenzung zu Allergien 
Ein wichtiger Schritt bei der Diagnose ist die Unterscheidung von HAE und allergischen Reaktionen, wie Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen. Im Gegensatz zu allergischen Schwellungen sprechen HAE-Attacken nicht auf antiallergische Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison an. Das ist ein entscheidender Hinweis, der bei der Abklärung helfen kann.

Bestätigung der Diagnose 
Wenn bei einem Patienten oder einer Patientin wiederholt Schwellungen auftreten, können spezielle Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose HAE sicherzustellen. Diese Tests überprüfen unter anderem die Menge und Funktion des C1-Inhibitors sowie die Konzentration bestimmter Proteine im Blut. 

Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

Behandlung

Behandlungsmöglichkeiten bei HAE 
HAE ist zwar nicht heilbar, kann aber durch effiziente Therapien i.d.R. gut kontrolliert werden. Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden. Gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin wird eine Therapie ausgewählt, die die persönlichen Lebensumstände und gesundheitlichen Anforderungen berücksichtigt. 

Es gibt drei Ansätze zur Behandlung von HAE:

  1. Kurzfristige Vorbeugung (Kurzzeitprophylaxe)
  2. Langfristige Vorbeugung (Langzeitprophylaxe)
  3. Behandlung akuter Schwellungen (Akuttherapie)

Kurzfristige Vorbeugung (Kurzzeitprophylaxe)
Wenn ein medizinischer Eingriff, wie eine Zahnbehandlung oder eine Operation, geplant ist, der eine Schwellungsattacke auslösen könnte, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Hierbei werden C1-Inhibitor-Konzentrate eingesetzt, um das Risiko einer Attacke zu minimieren oder die Schwellung abzumildern.

Langfristige Vorbeugung (Langzeitprophylaxe)
Die langfristige Vorbeugung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Schwellungsattacken zu reduzieren oder sie ganz zu verhindern. Sie wird vor allem in folgenden Situationen empfohlen:

  • Wenn die Häufigkeit und Schwere der Attacken die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
  • Wenn akute Behandlungen nicht ausreichend wirken.
  • In Lebensphasen mit erhöhter Krankheitsaktivität.

Die Entscheidung für eine langfristige Prophylaxe sollte immer individuell getroffen werden.


Behandlung akuter Schwellungen (Akuttherapie)
Bei einer Schwellungsattacke ist es wichtig, so früh wie möglich zu behandeln. Eine schnelle Behandlung kann:

  • Das Fortschreiten der Schwellung verhindern.
  • Die Symptome rasch lindern.

Besonders bei Schwellungen im Bereich von Kehlkopf und Rachen ist eine sofortige Behandlung lebenswichtig, um die Atemwege freizuhalten und Erstickungsgefahr zu vermeiden. Hautödeme oder Magen-Darm-Attacken erfordern oft zusätzliche Maßnahmen, wie Schmerzmittel oder eine Flüssigkeitszufuhr.

Wichtig: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto leichter verläuft die Attacke und desto schneller bilden sich die Symptome zurück.

Fazit
Durch die Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen und der Behandlung akuter Attacken können HAE-Patient:innen ein weitgehend normales Leben führen. Eine enge Zusammenarbeit mit medizinischem Fachpersonal ist dabei entscheidend.

Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

  • Hintergrund

    Hintergrund

    Das hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene genetische Erkrankung, die weltweit schätzungsweise 1 von 10.000 bis 1 von 50.000 Menschen betrifft. In Deutschland gibt es etwa 1.600 diagnostizierte Betroffene. Typisch für HAE sind wiederkehrende Schwellungen (Ödeme) der Haut, der Atemwege und der inneren Organe. Besonders häufig treten diese Schwellungen an Händen, Füßen, im Gesicht und im Genitalbereich auf.

    Der Begriff „hereditäres Angioödem“ klingt kompliziert, ist aber leicht zu erklären: „Hereditär“ bedeutet „erblich“ und „Ödem“ ist der medizinische Ausdruck für „Schwellung“. Ein Angioödem entsteht durch eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände. Die Abkürzung HAE stammt aus dem Englischen („hereditary angioedema“). 


    Die Hautschwellungen sind nicht lebensgefährlich, können jedoch so schmerzhaft und auffällig sein, dass viele Betroffene während einer HAE-Attacke den sozialen Kontakt meiden.

    Fast alle Betroffenen leiden zudem unter Anfällen mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, die durch Schwellungen der Darmwand ausgelöst werden. Besonders gefährlich sind Schwellungen im Rachen, an der Nase oder an der Zunge, da sie die Atemwege verengen und lebensbedrohlich werden können.

    Obwohl es bisher keine Heilung für HAE gibt, können die Symptome bei einer Attacke effektiv behandelt oder verhindert werden. 

    Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

  • Ursachen

    Ursachen

    Das Hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene genetische Erkrankung, die meistens von einem Elternteil vererbt wird. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist hierbei im Blut ein Protein (= Eiweiß) namens C1-Ester-ase-Inhibitor (C1-Inhibitor, kurz: C1-INH) entweder zu wenig vorhanden oder es funktioniert nicht richtig. Dies führt zu einer erhöhten Menge an aktivem Plasmakallikrein (ebenfalls ein Protein).

    Aktives Plasmakallikrein fördert wiederum die Bildung eines Gewebshormons im Blut, das Bradykinin heißt. Bradykinin steuert die Durchlässigkeit der Gefäßwände im Körper. Aufgrund der erhöhten Menge an aktivem Plasmakallikrein wird zu viel Bradykinin gebildet, was in der Folge dazu führt, dass vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen austritt.  

    HAE-Attacken sind schwer vorhersehbar und werden nicht durch allergische Reaktionen ausgelöst. Sie können überall am Körper auftreten:

    • Gesicht und Mundraum
    • Hals und Rachen
    • Magen-Darm-Trakt
    • Genitalien
    • Hände
    • Füße 

    Bei der Erkrankung HAE gibt es zwei Hauptformen: 

    • Typ-1-HAE: Hier ist die Konzentration des C1-Inhibitors im Blut zu gering.
    • Typ-2-HAE: Der C1-Inhibitor ist zwar in ausreichender Menge vorhanden, funktioniert aber nicht richtig.

    In seltenen Fällen können auch Fehler in anderen Genen zu HAE führen. Diese verursachen ebenfalls erhöhte Mengen des Hormons Bradykinin und dadurch Schwellungen (Ödeme), obwohl die Konzentration und Funktion des C1-Inhibitors normal sind.

    Während einer HAE-Attacke kann der C1-Inhibitor die Freisetzung von Bradykinin nicht mehr ausreichend kontrollieren. Dadurch steigt der Bradykininspiegel im Blut, was die typischen Schwellungen auslöst.

    HAE wird autosomal dominant vererbt. Das bedeutet: Wenn ein Elternteil HAE hat, besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Krankheit ebenfalls erbt. HAE kann jedoch auch bei Familien ohne bekannte Fälle auftreten. Etwa 25 Prozent der HAE-Diagnosen beruhen auf einer sogenannten Spontanmutation, bei der sich das Gen durch Zufall verändert. Betroffene können dieses veränderte Gen an ihre Kinder weitergeben. 

    Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

  • Symptome

    Symptome

    Typische Anzeichen von HAE 
    HAE führt zu wiederkehrenden, starken Schwellungen (Ödemen) an verschiedenen Körperstellen. Diese können an der Haut (z. B. an Händen, Füßen, im Gesicht), im Magen-Darm-Trakt, im Mund, am Kehlkopf, an der Luftröhre, den Geschlechtsorganen oder in der Blase auftreten.

    Hautschwellungen 
    Hautschwellungen sind meist nicht gerötet, jucken nicht und fühlen sich nicht warm an, können jedoch sehr schmerzhaft sein. Besonders betroffen sind Hände, Füße, das Gesicht und der Genitalbereich. Die geschwollenen Körperteile erschweren häufig alltägliche Aufgaben, wie Gehen oder Greifen, und sind für die Betroffenen oft belastend.

    Schwellungen im Magen-Darm-Trakt 
    Wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist, äußert sich das durch starke Bauchschmerzen, Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Diese Symptome ähneln anderen Erkrankungen, was oft zu Fehldiagnosen führt. Manchmal beginnen Attacken mit plötzlichen Schmerzen, bevor die Schwellung sichtbar wird.

    Gefährliche Schwellungen im Rachenbereich 
    Besonders gefährlich sind Schwellungen an Kehlkopf, Zunge oder Rachen, da diese die Atemwege blockieren und Erstickungsgefahr besteht. In solchen Fällen muss sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

    Verlauf einer HAE-Attacke 
    Die Schwellungen entwickeln sich meist über mehrere Stunden und erreichen nach 12 bis 36 Stunden ihren Höhepunkt. Ohne Behandlung klingen sie nach zwei bis fünf Tagen von selbst ab. Einige Attacken beginnen jedoch plötzlich, besonders im Bauchraum. Die Häufigkeit variiert stark: Manche Betroffene haben mehrere Attacken pro Woche, andere nur einmal im Jahr oder seltener. Es lässt sich nicht vorhersagen, wann und wo die nächste Attacke auftritt. 


    Vorzeichen und Auslöser für HAE-Attacken 
    Häufig treten HAE-Attacken ohne erkennbare Auslöser auf, oftmals werden sie aber durch emotionalen oder körperlichen Stress hervorgerufen. Von Betroffenen wurden zudem Angstzustände, Verletzungen, Operationen, Erkrankungen wie Erkältung oder Grippe, Insektenstiche und auch bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser für ihre Attacken angegeben.

    Bei manchen Patent:innen treten nach Tätigkeiten wie längerem Schreiben, Hämmern, Sport und anderen körperlichen Betätigungen auch Schwellungen an den Händen auf.

    • Emotionaler Stress: Angstgefühl, Furcht, Freude, Ärger
    • Körperlicher Stress: Operationen, Infektionen, Insektenstiche, Überanstrengung, zahnärztliche Eingriffe, sonstige Verletzungen
    • Hormonelle Veränderungen (bei Frauen): Monatsblutung, Schwangerschaft Antibabypille, Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
    • Medikamente: vor allem Blutdrucksenker (z. B. ACE-Hemmer)

    Vor einer Attacke fühlen einige Patient:innen ein Schwächegefühl, Schwindel, Müdigkeit, ein Kribbeln im Körper oder berichten von starken Stimmungsschwankungen. Ca. 30 % der Patient:innen haben auch einen nicht juckenden, girlandenförmigen, geröteten Hautausschlag (Fachbegriff: Erythema marginatum).

    Besondere Hinweise für Frauen 
    Hormonelle Veränderungen haben bei vielen Frauen Einfluss auf die Häufigkeit und Stärke der Attacken. Während einer Schwangerschaft können sich die Attacken entweder verstärken oder seltener auftreten. Die Antibabypille und Hormonersatztherapien stehen ebenfalls im Verdacht, Attacken auszulösen. Frauen sollten daher ihre Therapie mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.

    Medikamente und HAE 
    Bestimmte Medikamente wie ACE-Hemmer, die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, sind für Menschen mit HAE ungeeignet, da sie Attacken auslösen können. Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin alternative Behandlungsmöglichkeiten besprechen. 

    Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

  • Diagnose

    Die Diagnose ist einfach, aber es ist schwierig, die Krankheit zu erkennen. Da HAE selten und relativ unbekannt ist, wird es oft falsch diagnostiziert.

    Schwierige Diagnose bei HAE 
    Es ist nicht ungewöhnlich, dass es viele Jahre dauert, bis bei Betroffenen die Diagnose HAE gestellt wird. Das liegt daran, dass die Symptome denen anderer, häufigerer Erkrankungen ähneln, wie etwa Allergien oder einer Blinddarmentzündung. Besonders schwierig ist die Diagnose bei Menschen, die vor allem an Magen-Darm-Attacken leiden. In einigen Fällen führt eine Fehldiagnose sogar zu unnötigen Operationen. Viele Betroffene wissen zudem nichts von früheren HAE-Fällen in ihrer Familie, was die Diagnose zusätzlich erschwert.

    Die Bedeutung der Familiengeschichte 
    Wenn HAE neu diagnostiziert wird, sollten Betroffene ihre Familiengeschichte prüfen. So können weitere Familienmitglieder oder entfernte Verwandte, die ebenfalls betroffen sind, identifiziert werden. HAE kann in jedem Alter auftreten, aber die meisten Betroffenen erleben ihre erste Attacke vor dem 20. Lebensjahr. 


    Abgrenzung zu Allergien 
    Ein wichtiger Schritt bei der Diagnose ist die Unterscheidung von HAE und allergischen Reaktionen, wie Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen. Im Gegensatz zu allergischen Schwellungen sprechen HAE-Attacken nicht auf antiallergische Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison an. Das ist ein entscheidender Hinweis, der bei der Abklärung helfen kann.

    Bestätigung der Diagnose 
    Wenn bei einem Patienten oder einer Patientin wiederholt Schwellungen auftreten, können spezielle Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose HAE sicherzustellen. Diese Tests überprüfen unter anderem die Menge und Funktion des C1-Inhibitors sowie die Konzentration bestimmter Proteine im Blut. 

    Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

  • Behandlung

    Behandlung

    Behandlungsmöglichkeiten bei HAE 
    HAE ist zwar nicht heilbar, kann aber durch effiziente Therapien i.d.R. gut kontrolliert werden. Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden. Gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin wird eine Therapie ausgewählt, die die persönlichen Lebensumstände und gesundheitlichen Anforderungen berücksichtigt. 

    Es gibt drei Ansätze zur Behandlung von HAE:

    1. Kurzfristige Vorbeugung (Kurzzeitprophylaxe)
    2. Langfristige Vorbeugung (Langzeitprophylaxe)
    3. Behandlung akuter Schwellungen (Akuttherapie)

    Kurzfristige Vorbeugung (Kurzzeitprophylaxe)
    Wenn ein medizinischer Eingriff, wie eine Zahnbehandlung oder eine Operation, geplant ist, der eine Schwellungsattacke auslösen könnte, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Hierbei werden C1-Inhibitor-Konzentrate eingesetzt, um das Risiko einer Attacke zu minimieren oder die Schwellung abzumildern.

    Langfristige Vorbeugung (Langzeitprophylaxe)
    Die langfristige Vorbeugung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Schwellungsattacken zu reduzieren oder sie ganz zu verhindern. Sie wird vor allem in folgenden Situationen empfohlen:

    • Wenn die Häufigkeit und Schwere der Attacken die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
    • Wenn akute Behandlungen nicht ausreichend wirken.
    • In Lebensphasen mit erhöhter Krankheitsaktivität.

    Die Entscheidung für eine langfristige Prophylaxe sollte immer individuell getroffen werden.


    Behandlung akuter Schwellungen (Akuttherapie)
    Bei einer Schwellungsattacke ist es wichtig, so früh wie möglich zu behandeln. Eine schnelle Behandlung kann:

    • Das Fortschreiten der Schwellung verhindern.
    • Die Symptome rasch lindern.

    Besonders bei Schwellungen im Bereich von Kehlkopf und Rachen ist eine sofortige Behandlung lebenswichtig, um die Atemwege freizuhalten und Erstickungsgefahr zu vermeiden. Hautödeme oder Magen-Darm-Attacken erfordern oft zusätzliche Maßnahmen, wie Schmerzmittel oder eine Flüssigkeitszufuhr.

    Wichtig: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto leichter verläuft die Attacke und desto schneller bilden sich die Symptome zurück.

    Fazit
    Durch die Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen und der Behandlung akuter Attacken können HAE-Patient:innen ein weitgehend normales Leben führen. Eine enge Zusammenarbeit mit medizinischem Fachpersonal ist dabei entscheidend.

    Erfahren Sie mehr über HAE auf der infoseite Leben mit HAE.

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